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Köfler Sabina
titel der arbeit Zizlau dreiundachtzig
studienrichtung Grafik-Design und Fotografie (Stzw)
 
abstract
Mittels skulpturaler Eingriffe, performativer Interventionen und
einer dokumentarischen Aufbereitung stellt das KünstlerInnenkollektiv
von „Zizlau dreiundachtzig“ sein Projekt, das beim
Festival der Regionen 2009 in Linz zu sehen war, vor.
ZIZLAU ist der Name einer Stadtrandsiedlung im Süden von
Linz. Unmittelbar daneben beginnt oder endet der Betriebsgrund
der voestalpine AG, was eine eigenartige Mischung aus
idyllischer Gartensiedlung und Industrielärm ergibt. Das Haus
mit der Nummer DREIUNDACHTZIG stand dort bis vor kurzem
– seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Die Siedlung Zizlau zählt heute noch rund zehn Häuser. Seit
dem Beginn der Errichtung der „Hermann Göring Werke“ 1938
– damals schon wurden die meisten Menschen, die im Linzer
Stadtteil St. Peter/Zizlau lebten, an andere Wohnorte abgesiedelt
– war klar, dass die verbleibenden Häuser, aufgrund der
unmittelbaren Nähe zur Industrie, dieser irgendwann weichen
müssen. Doch vorerst dienten sie noch einigen Familien – mit
Namen Fraßl oder Grobauer – als deren Zuhause.
Schon etwa fünf Jahre zuvor (1933), als die ersten der schwarz
gestrichenen Holzhäuser am Stadtrand von Linz errichtet wurden,
waren sie nicht nur Wohn- sondern ebenso Lebensraum.
Der Garten diente den Familien als Anbaufläche für verschiedenste
Nahrungsmittel und zur Haltung von nützlichen Kleintieren.
Eines der ersten Wohnbauprojekte für sozial Ausgegrenzte
wurde realisiert: „Ausgesteuerten“ und Arbeitslosen wurden
Grundstücke und Baumaterial zur Verfügung gestellt, um sich
eine Existenz schaffen zu können. Die Idylle in der Stadtrandsiedlung
Zizlau blieb vorerst erhalten und die BewohnerInnen
fanden Arbeit in den umliegenden Industriebetrieben, hauptsächlich
aber in der heutigen voestalpine AG.
Die BewohnerInnen hatten und haben teilweise lebenslange
Miet- und Leihverträge. Aktuell werden die Grundstücke als
Lagerplätze für Eisenprodukte (Coils) und Parkplätze benötigt.
Deshalb wird derzeit auf das Wegziehen bzw. das Ableben der
verbliebenen SiedlungsbewohnerInnen gewartet, um auch diesen
Platz als Industriefläche verwenden zu können.

Das Projekt „Zizlau dreiundachtzig“:
Ein konkretes Objekt in dieser Siedlung stand leer und wurde
von uns als KünstlerInnengruppe bearbeitet.
Jede Seite des Hauses wurde mit einer Wertkategorie belegt
und mit einem Begriff versehen. Die formale Gegebenheit hatte
zur Auswahl von vier Wertkategorien geführt.
Diese lauteten: GESCHICHTE, KUNST, MATERIAL, EMOTION.
Wie die Kategorien den verschiedenen Seiten zugeordnet
wurden, war ein zufälliger Akt. In weiterer Folge konnten sich
die BesucherInnen für einen der vorgegebenen Werte entscheiden
und das Kollektiv entnahm ein Stück aus der betreffenden
Fassade.
Durch dieses Aussuchen, einem sich Festlegen auf ein bestimmtes
Kriterium, gaben die BesucherInnen dem gewählten
Haussegment den eigentlichen/eigenen Wert. Die herausgenommenen
Teile wurden vom Kollektiv mit einer Plakette
versehen, mittels Polaroid dokumentiert und konnten von der
Person mit nach Hause genommen werden. Sie blieben also
nicht notgedrungen Teile eines Gebäudes, sondern konnten in
einen gänzlich anderen Kontext transponiert werden.
Das gezielte und sorgsame Entnehmen der Hausteile war Mittel
zum Zweck - Ziel war es, die Fragmente an die BesucherInnen
zu verteilen. Das Haus ging dabei durch einen transformativen
Prozess - der ehemalige Wohnraum wurde zweckentfremdet
und sukzessive zum Objekt.
www.servus.at/dreiundachtzig
   
anmerkung
Sabina Köfler, Kristina Kornmüller, Stefan Messner, Petra Moser, Ulrike Seelmann, Felix Vierlinger
   
arbeiten 
 
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